Waage

Wie ausgeglichen sind die Chancen von privaten und institutionellen Investoren?

Peer-to-Peer-Lending gehört wohl zu den spannendsten Innovationen im Bereich Digital Finance. Das Prinzip begeistert nicht nur mich, sondern auch viele andere Menschen weltweit. Während das Peer-to-Peer-Lending in Deutschland noch eher eine Randerscheinung ist, hat sich in den USA bereits ein großer Markt entwickelt. Das hat auch institutionelle Investoren wach werden lassen, die jetzt mit viel Geld in das Geschäft einsteigen. Kann man diese auch noch als „Peers“ bezeichnen, also als Ebenbürtige?

Peer-to-Peer-Lending bringt einige Vorteile für Kreditnehmer

Das P2P-Lending hat sich in den letzten Jahre als große Wachstumsbranche erwiesen. Während es vor einigen Jahren noch etwas verhalten auf den Kreditmarktplätzen in den USA und England zuging, haben manche Kreditmarktplätze mittlerweile mehrere hundert Prozent Wachstum zu verzeichnen. Das prominenteste Beispiel ist wahrscheinlich der Kreditmarktplatz Lending Club aus den USA.

Eine aktuelle Statistik über das Kreditvolumen bei Lending Club.

Eine aktuelle Statistik über das Kreditvolumen bei Lending Club.

Das große Wachstum der Branche, lässt sich durch den praktischen Nutzen des Prinzips erklären. Das P2P-Lending ist eine Innovation, die der Digitalisierung entsprungen ist und bietet einige Vorteile gegenüber anderen Geldanlagen und Möglichkeiten, auf alternativem Wege einen Kredit zu erhalten. Ein großer Kostenvorteil von Kreditmarktplätzen gegenüber herkömmlichen Banken sind die schlanken Strukturen.

Kreditmarktplätze haben keine Filialen und sehr viel weniger Verwaltungsaufwand und Mitarbeiter als normale Banken. Dadurch können sie die Nachfrage nach Kleinkrediten profitabel bedienen. Für große Banken steht der bürokratische Aufwand häufig in keinem passenden Verhältnis zur Kreditsumme. Sie vermeiden es daher, allzu viele Kleinkredite zu vergeben (gerne auch gar nicht). Eine Ausnahme sind Dispositionskredite. Hier sind die Zinsen meist sehr hoch und der Verwaltungsaufwand ist geringer, da zumeist nur die ursprüngliche Einräumung des Dispositionsrahmens einen größeren Aufwand erfordert.

Dadurch das alle Geschäfte Online abgewickelt werden, können Kostenvorteile an Kreditnehmer weitergeben und die Nachfrage nach Kleinkrediten bedient werden.. Die Kreditnehmer zahlen dann häufig weniger Zinsen als üblich (nicht immer). Der Verwendungszweck hat außerdem meist keinen Einfluss auf die Entscheidung ob der Kredit vergeben wird oder nicht, bei Kreditmarktplätzen zählen in der Regel nur die finanziellen Verhältnisse. Ein prüfendes Gespräch bei der eigenen Bank ist nicht notwendig, hier entscheidet der Marktplatz und die „Crowd“.

Besonders kleine- und mittelständische Unternehmen (KMU) können von Kreditmarktplätzen profitieren. Viele KMU leiden als Folge der Finanzkrise unter Kapitalmangel, die neuen Kreditmarktplätze bieten aber eine Alternative. Besonders kleinen Unternehmen fällt es schwer, die Banken von ihrer Bonität zu überzeugen. Dies ist durchaus schädlich für unsere Volkswirtschaft, denn grade KMU, die rund 99,6% aller Unternehmen in Deutschland ausmachen, benötigen für ihr Wachstum Kapital von außen. Man sieht also, dass die Abwicklung über einen Kreditmarktplatz durchaus Sinn machen kann.

Eine neue Anlageklasse

Die größte Innovation bei P2P-Kredite liegt wohl auf der Anlegerseite. Private Anleger haben durch die Erschaffung der Kreditmarktplätze erstmals die Möglichkeit, direkt und auf unkompliziertem Wege in Privat- und Unternehmenskredite zu investieren. Vorteile bei diesem Investment sind vergleichsweise hohe Renditen bei gleichzeitiger Planbarkeit des Investments. Da die Kreditmarktplätze in der Regel die Zinssätze anhand einer Bonitätsbewertung vorgeben, muss der Anleger theoretisch nur noch auf „Investieren“ klicken und zugucken, wie sich sein Geld vermehrt. Vorraussetzung ist natürlich, dass der Kreditmarktplatz die Ausfallrisiken richtig eingeschätzt und den Zinssatz richtig bestimmt hat. Natürlich auch zu beachten ist die richtige Diversifikation des Investment-Portfolios.

Peer = Privatperson?

Doch die Kreditmarktplätze stehen nicht nur privaten Anlegern offen. Auch institutionelle Investoren haben die Möglichkeit, auf Kreditmarktplätzen zu investieren. Zumindest in Amerika und England, sind die institutionelle Investoren diejenigen, die ein Großteil der Kredite finanzieren. Auf dem größten Kreditmarktplatz der Welt, dem amerikanische „Lending Club“, finanzieren dieses sogar mehr als zwei Drittel aller Kredite. Der selber schon fast institutionelle Wirtschaft-Blogger Dirk Elsner schrieb kürzlich:

Auf der Konferenz “Finanzdienstleister der  nächsten Generation” am vergangenen Mittwoch in Hamburg hörte ich, dass auch der deutsche P2P-Pionier Smava mittlerweile über institutionelle Gelder die Darlehensvergabe ankurbelt. Dadurch soll das bisher eher verhaltene Wachstum deutlich beschleunigt worden sein (genaue Informationen dazu habe ich aber bisher nicht gefunden). Die Financial Times berichtet darüber, dass Santander und BlackRock an der ersten eigenen Verbriefung von Peer-to-Peer-Krediten arbeiten auf Basis von Darlehen von Lending Club und Prosper (Details: FT.comSantander and BlackRock work on first rated P2P securitisations)

(Link zum Artikel: P2P-Lending – Bald ganz groß und für Investmentprofis?)

Durch diese Kapitalschwemme von Großinvestoren sehen sich die Kreditmarktplätze einem Problem konfrontiert. Wohin mit dem ganzen Geld? Logischerweise arbeiten diese institutionellen Anleger auch anders als Hobby-Anleger. Häufig werden von diesen Großinvestoren selbst programmierte „Lending Robots“ (auch „Loan filter“ genannt) benutzt, also Software, die automatisch und nach selbst gewählten Kriterien auf der Plattform investiert. Durch den Einsatz eines Lending Robots lassen sich bei richtiger Einstellung besser Renditen als der Durchschnitt erzielen. Gefiltert wird zum Beispiel nach Wohnort, Alter, Familienverhältnissen oder Einkommen. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass man nur in Kredite mit dem besten Verhältnis von Zinssatz und Ausfallwahrscheinlichkeit investiert. Genannt wird dieser Effekt/Verhältnis auch „Arbitrage“.

Das Problem das nun entsteht ist aber, dass die institutionellen Anleger durch großen Kapital- und Softwareinsatz meist einige Sekunden schneller sind als der Durchschnittsanleger. So haben die Privatanleger oft Schwierigkeiten, an Kredite mit den passenden Kriterien heranzukommen, denn deren Zahl ist meist begrenz. Die institutionellen Anleger schnappen den Privatanlegern quasi schon die besten Kredite vor der Nase weg, bevor die überhaupt Zeit und Möglichkeit haben, zu investieren. Nav Athwal sagte kürzlich im Forbes Magazin sogar schon das Ende des Peer-to-Peer-Lending voraus. So weit wird es aber meiner Meinung nach nicht kommen.

Warum institutionelle Anleger nicht schädlich sind

Obwohl institutionelle Anleger häufig etwas schneller sind als andere, ist aber auch privaten Anlegern die Nutzung eines Lending Robots/Kredit-Filters nicht verwehrt. Es gibt zahlreiche Angebote, am bekanntesten sind wohl der originale Lending Robot oder auch NickelSteamroller. Diese Filterprogramme suchen anhand statistischer Daten eines Kreditmarktplatzes die besten Vorraussetzungen für eine hohe Arbitrage und investieren dann in Kreditprojekte, die den Auswahlkriterien entsprechen. Dies erfordert natürlich, dass der private Anleger sich mit dem Thema beschäftigt und einarbeitet, etwas wofür nicht jeder ausreichend Zeit oder Lust hat. Wer allerdings mit einem Lending Robot arbeitet, sollte genug Möglichkeiten haben, in die besten Kredite zu investieren. In Deutschland steht keine externe Filter-Software zu Verfügung.

Denn institutionelle Anleger bringen auch Gutes mit sich. Durch sie haben Kreditnehmer eine weit bessere Chancen, ihren Kredit in kurzer Zeit finanziert zu bekommen. Auch gibt es viele Menschen, die sich nicht eingehender mit Geldanlage beschäftigen wollen und die Aufgabe daher lieber an einen Fond oder Berater abgeben. Hier können Fonds die in P2P-Kredite investieren eine renditestarke Alternative zu herkömmlichen Fonds bieten, trotz der Verwaltungsgebühren.

Die Frage die man sich stellen muss ist auch, wie wichtig dem privaten Anleger der Wettbewerbsvorteil ist. Ob man jetzt 8% oder 9% Rendite macht, ist für einen Privatanleger möglicherweise nicht so wichtig, wie einem Investmentprofi. Ich persönlich kann mich auch mit einem Prozent weniger zufrieden geben, wenn ich dabei immer noch acht mal mehr Zinsen als auf meinem Sparbuch bekomme. Vorraussetzung ist natürlich, dass der Kreditmarktplatz die Bonität  der Kreditnehmer treffgenau bestimmt und der Anleger sein Investitions-Portfolio entsprechend diversifiziert. Worauf noch geachtet werden muss ist, dass jeder die gleichen Informationen einsehen und eigene Software verwenden darf, so dass institutionelle Anleger nicht einseitig bevorzugt werden.

Ich sehe daher trotz des großen Einfluss der institutionellen Anleger nicht die Selbstauflösung des Peer-to-Peer-Lendings. Ganz im Gegenteil, P2P-Kredite sind ein innovatives Investment für jedermann. Ob man dabei mit oder ohne Lending Robot investiert, selber anlegt oder einen Fond investieren lässt – P2P-Kredite bleiben grade in Zeiten von Mini- und Strafzinsen eine attraktive Investition sowohl für private Anleger als auch für Profis. Die institutionellen Anleger tun dem Prinzip keinen Abbruch. Als kleinen Kompromiss, könnte man das „Peer-to-Peer-Lending“ ja in „Marketplace Lending“ umbenennen.

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