Mikrokredite werden immer populärer. Die Zahl der Mikrokreditnehmer weltweit wird auf 150 bis 200 Millionen geschätzt. Vor allem in Entwicklungsländern im asiatischen und afrikanischen Raum nehmen immer mehr Menschen einen Mikrokredit zur Verbesserung ihrer Lebensumstände auf. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die behaupten, dass Mikrokredite die Situation der Armen nicht verbessern, sondern sie noch tiefer in die Schuldenfalle tappen lassen. Mikrokredite für die Armen – Fluch oder Segen?

Greeman Bank Gründer Muhammad Yunus mit Klaus Wowereit in Berlin

Greeman Bank Gründer Muhammad Yunus mit Klaus Wowereit in Berlin

Als der Erfinder der Mikrokredite gilt der Unternehmer und Ökonom Muhammad Yunus aus Bangladesch. Er sah, dass es vielen Armen an Kapital mangelte, um ein eigenes kleines Geschäft auszubauen oder einfach nur Arbeitmittel zu erwerben. Als Folge gründete er 1976 die Grameen Bank, ein Mikrofinanzinstitut, das bis heute insgesamt 6,65 Milliarden US-Dollar an Krediten (in der Regel kleinere Beträge unter 5,00 Dollar pro Person) vergeben hat und für dessen Gründung Yunus 2006 sogar den Friedensnobelpreis erhielt. Das selbsterklärte Ziel der Bank ist Hilfe zur Selbsthilfe. Arme Leute nehmen einen Mikrokredit auf, mit dem sie ein kleines Geschäft aufbauen oder erweitern können, und zahlen dann den Kredit mit Zinsen zurück. Ein Prinzip, das schon sehr viel älter ist, als man meinen mag.

Schon im 15. Jahrhundert existierten sogenannte Rotationsfonds, bei denen jedes Mitglieder der Spargruppe einen kleinen Betrag in den gemeinsamen Topf zahlt, um dann gegebenfalls später einen größeren Betrag leihen zu können. Die „Friendly Societies“, Zusammenschlüsse von Bürgern zur gegenseitigen Unterstützung, erweiterten das Prinzip auf Versicherungen, Pensionen und Sparguthaben.

Heute sind Friendly Societies in Entwicklungsländern weit verbreitet, während sie im Westen größtenteils nur noch symbolischen Charakter haben. Aus den Kreditkassen für Arme im 18. Jahrhundert entstanden jedoch auch unsere heutigen Genossenschaftsbanken wie die Sparkassen, Raiffeisen- oder Volksbanken.

Das Modell der Grameen Bank funktioniert ähnlich wie diese alten Strukturen: Kredite werden nicht durch Sachwerte besichert, weil Arme kaum Besitz mit Geldwert haben. ,An die Stelle von Sachwerten als Sicherheit tritt die soziale Verantwortung, die die Kreditnehmer zur pünktlichen Rückzahlung der Raten motivieren soll. Um das Ausfallrisiko zu vermindern, werden die Mikrokredite der Grameen Bank zudem nicht an Einzelpersonen, sondern nur an Selbsthilfegruppen mit fünf Mitgliedern ausgezahlt.

Zunächst erhalten von diesen fünf Mitgliedern nur zwei einen Kredit. Erst wenn die ersten beiden Kreditnehmer ihre Zins- und Tilgungszahlungen pünktlich leisten, dürfen auch die anderen einen Kredit aufnehmen. Zahlen die ersten zwei ihre Raten nicht pünktlich zurück, gibt es auch keinen Kredit für die Anderen. Durch die Haftung als Kollektiv steigt der Anreiz, die Raten pünktlich zurück zu zahlen.

Außerdem ist es verpflichtend dass sich diese Gruppen regelmäßig zu Meetings treffen. Verbindlich ist auch, die „16 Entscheidungen“ des Grameen Systems zu akzeptieren. Dazu gehören Werte wie harte Arbeit, Disziplin, Mut, Einigkeit und das Versprechen, für gute Lebensumstände und Schulbildung der Kinder zu sorgen. Laut Grameen-Bank werden 98,35 Prozent aller Kredite püntklich zurückgezahlt. 97 Prozent aller Kreditnehmer sind Frauen.

Heute wird das Konzept der Bank in 60 Entwicklungsländern angewandt. Während 1999 noch 21 Millionen Mikrokredite pro Jahr ausreicht wurden, waren es 2010 schon 190 Millionen. Man sieht also, dass das Konzept eine Nische gefüllt hat.

Eine Gruppe von Mikrokreditnehmern aus Burundi Quelle: kiva.org

Doch bedeuten ein hohes Kreditvolumen und gute Rückzahlungsquoten auch automatische eine Verbesserung der Lebensumstände der Kreditnehmer?

Ich sah, dass die Leute hart arbeiteten, aber trotzdem blieben sie arm. Warum? Sie sagten mir, es läge daran, dass sie kein Kapital hätten. Um also Materialien zur Herstellung einfacher Möbel zu erstehen oder Zutaten für das Essen, das sie an der Straße kochten und verkauften, mussten sie sich Geld leihen: entweder bei jenen Menschen, die ihnen die Rohstoffe zur Verfügung stellten und sie dann gleich auch für die fertigen Produkte bezahlten, oder beim Geldverleiher, der horrende Zinsen verlangte. So oder so – ihnen selber blieb am Ende eines langen Arbeitstages kaum etwas übrig.“

– Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank

Tatsache ist, dass die Zielgruppe der Grameen Bank in der Regel keinerlei Zugang zu üblichen Bankkrediten hat, da sie weder Sicherheiten bieten können noch der Aufwand sich für die regulären Banken rentiert. Bei Mikrokrediten geht es also nicht nur um den Auf- und Ausbau eines Geschäfts – vielen Armen bietet sich erst durch einen Mikrokredit überhaupt die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten. In diesem Fall dient der Mikrokredit quasi als „Starthilfe“.

Auch verlangen die Mikrokredit-Institute in der Regel niedrigere Zinsen – zwischen 30 und 50 Prozent – als reguläre Geldverleiher, bei denen die Zinssätze mehrere hundert Prozent betragen können. Mikrokredite gelten seit langer Zeit als effektives Mittel zur Bekämpfung von Armut. Mit Hilfe einer intensiven Betreuung konnten sich so allein in Bangladesch Hunderttausende erfolgreich selbstständig machen. Doch gibt es auch kritische Stimmen, die behaupten, Mikrokredite würden Armut nicht verringern, sondern geradezu fördern bzw. die Armut monetarisieren.

„Enorm“–Autorin Kathrin Hartmann veröffentliche im Januar 2014 einen Artikel im Magazin „Spiegel“ unter dem Titel „Entwicklungshilfe: Warum Mikrokredite den Armen nur selten helfen“. Dort berichtet sie über die Studien eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftswissenschaften in Köln, Philip Mader. Philip Mader schrieb eine Doktorarbeit über Mikrokredite unter dem Titel „Financializing Povert: The Transnational Political Economy of Microfinance’s Rise and Crisis“.

Das Hauptproblem laut Philip Mader ist, dass Mikrokredite nicht zum Aufbau einer Selbständigkeit, sondern zur Deckung von Lebenshaltungskosten verwendet werden. Die Kreditnehmer erhöhen mit dem Mikrokredit also nicht ihre regelmäßigen Einnahmen, sondern verwenden sie einfach nur zur Zahlung ihrer monatlichen Ausgaben. Einige Kreditnehmer müssten dann sogar ein weiteres Darlehen zur Tilgung der Schulden aus ihrem Mikrokredit aufnehmen.

Laut einer 2009 im indische Hyderabad vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführten Studie nutzen nur 30 Prozent der Mikrokreditnehmer das Geld für den Aufbau eines eigenen Unternehmens, während 15 Prozent Konsumentenkredite aufnahmen und 30 Prozent mit dem erhaltenen Geld bestehende Schulden ausgeglichen. Unverständlich scheint, dass diese Studie oft als Positivbeispiel herangezogen wird, wo doch der eigentliche Zweck des Mikrokredits die Gründung eines Unternehmens ist.

Mikrokredite können für Arme eine Chance sein, der Armut zu entfliehen. Wichtig ist aber, dass das geliehene Geld ausschließlich zur Erzielung eines Mehrwerts verwendet wird – nicht für Konsum oder Medikamente. Ansonsten droht die Schuldenfalle.

Wichtig ist auch, zwischen einzelnen Anbietern zu unterscheiden. Unternehmen wie kiva.org, ein P2P-Kreditmarktplatz miz sozialer Ausrichtung, haben sich über die Jahre als vertrauenswürdig erwiesen. Hier können Investoren nach dem Prinzip des Crowdlendings Geld in 25$ Schritten verleihen.

Worauf man besonders achten sollte, ist, dass die Unternehmen nicht nur Geld verleihen, sondern auch eine Beratungs- und Betreuungsfunktion übernehmen. Nur wenn die Kreditnehmer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet werden und ihr Geld nicht für Konsum ausgeben müssen, geht das Geschäftsmodell erfolgreich auf.

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