Peer-to-Peer-Lending (Crowdlending/P2P-Lending/P2P-Kredite) wird immer beliebter und findet auch Platz in der Wissenschaft. Einer dieser Wissenschaftler ist Nico Mausolff, ein Bachelor-Student der im Rahmen seiner Abschlussarbeit die „Finanzintermediation 2.0“ untersucht und dabei einen genauen Blick auf das Crowdlending werfen möchte, mithilfe eines Fragebogens und Experteninterviews. Da ich schon länger, als einer der Wenigen, einen Blog zum Thema Crowdlending betreibe, durften natürlich auch ein paar Kommentare von Oskar Streiter nicht in dieser Bachelorarbeit fehlen. Hier sind meine Antworten auf Nico Mausolffs Fragen.

Nico Mausolff: Wie beurteilen Sie die globale bzw. deutsche Marktentwicklung der P2P-Kreditvergabe?

Oskar Streiter: Global ist ein exponentielles Wachstum der P2P-Lending Branche zu verzeichnen. Vor allem die Hauptmärkte USA und China können dreistellige Wachstumsraten verzeichnen. In den USA wurden 2014 schon 5,5 Milliarden Dollar per Crowdlending verliehen. Price Water House Coopers prognostiziert für den US-Markt ein Crowdlending-Kreditvolumen von 150 Milliarden US-Dollar jährlich in der nächsten Dekade. In den USA werden diese Kredite besonders häufig für die Umschuldung bei Kreditkarten-Konten und für die Aufnahme von Bildungskrediten genutzt – beides sehr starke Segmente in den USA.

In Deutschland ist die Entwicklung etwas langsamer. Aber auch hier lässt sich ein verhältnismäßig starkes Wachstum erkennen. Hier ist die Hauptaufgabe der Kreditmarktplätze derzeit vor allem der Vertrauensaufbau, denn neue Finanzprodukte werden in Deutschland meist eher kritisch betrachtet. Damit einhergehend sind noch hohe Marketingkosten.

Ebenfalls ein Faktor sind die in Deutschland oft konkurrenzfähigen Bankkredite, die die Entwicklung unter Umständen bremsen können.

Sobald die Kreditmarktplätze endgültig das Vertrauen gewonnen habe, sehe ich aber auch in Deutschland hohes Potenzial für Crowdlending, sowohl bei den Kreditnehmern als auch bei den Anlegern.

Nico Mausolff: Worin sehen Sie die Begründung, dass Peer-to-Peer Plattformen bei Kapitalnehmern sowie Kapitalgebern eine steigende Beliebtheit erfahren?

Oskar Streiter: Kreditnehmer profitieren vor allem durch günstigere Zinsen und eine höhere Chance auf einen Kredit als bei der Hausbank. Viele Banken haben nämlich ein Fixkosten-Problem, vor allem bei Kleinkrediten. Aufgrund dieses Problems können viele Banken kleine Kredite von wenigen tausend Euro kaum profitabel bedienen. Die Kreditmarktplätze haben keine Filialen, wenig Personal und deshalb dieses Problem nicht. Sie stoßen in einen Markt vor, der von den normalen Banken oft nicht bedient werden kann. Auch die Bequemlichkeit ist ein Faktor. Ein Online-Kredit ist oft schneller und einfacher beantragt als bei einer Bank. Das kann man bequem von zu Hause aus erledigen. Ein weiter Vorteil für Kreditnehmer beim P2P-Lending ist, dass für die vorzeitige Tilgung eines Kredits meist keine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird. Wer seine Schulden zurückzahlen kann, will dafür nicht bestraft werden.

Die Anleger profitieren von überdurchschnittlichen Zinsen. Gerade heutzutage, wo die Zinsen auf Spareinlagen nach Inflation zum Teil negativ sind, ist das Crowdlending eine interessante Alternative für Anleger. Ein weiterer Vorteil des Crowdlending ist das ausgeglichene Verhältnis zwischen Risiko und Rendite. Die Risiken dieser Art von Geldanlage sind relativ gut vorhersehbar, und gleichzeitig bietet Crowdlending eine Rendite über dem Durchschnitt. Die Grundvoraussetzung ist aber natürlich, dass die Kreditmarktplätze die Risikoanalyse richtig durchführen und passende Zinssätze bestimmen. Für mich persönlich ist Crowdlending das ideale Passstück zwischen Tagesgeld und Aktien.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass auch hier theoretisch ein Totalverlust der Anlage Teil des Risikos ist. Eine Garantie für Gewinne gibt es nicht. Aber bei guter Diversifizierung halte ich das Risiko für überaschaubar.

Nico Mausolff: Wo sehen Sie kennzeichnende Unterschiede zwischen Kreditnehmern bzw. Kapital-gebern auf Peer-to-Peer Plattform und Kunden eines klassischen Kreditinstitutes?

Oskar Streiter: Einen eindeutigen Unterschied gibt es nicht. Grundsätzlich wird auch bei den Kreditmarktplätzen eine passende Bonität vorausgesetzt, die Kreditmarktplätze sind also keine Auffangbecken für Kreditnehmer mit besonders schlechter Bonität.

Man kann aber sagen, dass die P2P-Kreditmarktplätze eher von Internet-affinen Kreditnehmern genutzt werden, die meist jünger als klassische Bankkunden sind.

Nico Mausolff: Unter dem Aspekt der digitalen Affinität, welche Bedeutung messen Sie zukünftigen Kundengruppen wie beispielsweise der Generation Y zu?

Oskar Streiter: Eine hohe Bedeutung. Besonders den älteren Generationen fehlt oft das Grundvertrauen in Internet-Dienstleister und innovative Produkte. Das ist bei den Kundengruppen der Generation Y nicht so, denn Sie sind mit dem Internet aufgewachsen, und entsprechend geringer ist hier auch die Hemmschwelle, einen Online-Service zu nutzen. Es zeigt sich auch bei anderen Online-Services, dass der Anteil an Generation Y und jüngeren Nutzern meist höher ist.

Sehr wichtig ist heutzutage auch die Unternehmenskommunikation, bei der Online-Start-Ups wie Kreditmarktplätze einen Vorteil haben, denn Sie haben ein noch „jungfräuliches“ Image und daher die Gelegenheit, sich als vertrauenswürdiger und ehrlicher als die Banken zu präsentieren, die durch zahlreiche Krisen und Skandale schwere Imageschäden hinnehmen mussten.

Wichtig ist natürlich, dass die Kreditmarktplätze jetzt auch das erfüllen, was Sie versprechen, damit P2P-Lending, vor allem in Deutschland, nicht in der „Schmuddelecke“ untergeht.

Nico Mausolff: Sehen Sie P2P-Plattformen in einer vorteilhaften Ausgangssituation, durch Annahmen wie erhöhte Regulierung für Banken sowie eine potenzielle Vertrauenskrise und weiterhin die vermeintlich höhere Dynamik in einem webbasierten Geschäftsmodell?

Oskar Streiter: P2P-Plattformen haben einen erheblichen Vorteil dadurch, dass Sie sehr geringe Fixkosten haben. Oft arbeiten bei einem Kreditmarktplatz auch nur wenige hundert Menschen, und es müssen keine Filialen unterhalten werden. Große Kostenvorteile haben Kreditmarktplätze vor allem auch bei den Kreditvergabe-Prozessen, da alle Prozesse dieser Art dort online abgewickelt werden.

Einen wirklich guten Eindruck vom Kostenvorteil der P2P-Plattformen, kann man sich unter diesem Link machen. (http://www.p2p-banking.com/services/lendingclub-lending-club-cost-advantage-over-banks/)

Nico Mausolff: Könnten Banken durch die Gründung eigener Peer-to-Peer Plattformen sowie der Adaption gewisser Handhabungen aktiver Kreditmärkte sich im P2P-Kreditmarkt etablieren?

Oskar Streiter: Das könnten Sie sicherlich. Fraglich ist allerdings, ob das für die Banken lohnenswert ist oder ob es nicht günstiger und effizienter ist, die entsprechende Leistung bei einem Start-Up einzukaufen oder zu „mieten“, also zu kooperieren. Ich vermute Letzteres, denn die meisten Banken arbeiten auch noch heute mit sehr alten, sehr großen und unflexiblen IT-Strukturen.

Ein weiteres Problem ist die Unternehmenskultur, die in Banken und sehr großen Betrieben oft nicht zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle geeignet sind. Gefragt sind bei digitalen Geschäftsmodellen wie P2P-Lending Flexibilität und schnelle Entscheidungen,. Das fällt besonders den großen traditionellen Banken schwer.

Nico Mausolff: Sehen Sie traditionelle Banken für P2P-Plattformen als Wettbewerber, Kooperationspartner oder Kunden?

Oskar Streiter: Sowohl als auch. Sicherlich werden einige Banken Umsatz durch die Newcomer am Markt verlieren. Allerdings bietet sich hier auch für Sie eine neue Chance, durch Kooperationen am neuen Geschäftsmodell teilzuhaben und auch die Produktepalette für ihre Kunden zu erweitern, um die Service-Leistung zu erhöhen. Vorstellbar ist zum Beispiel, dass die Banken vor allem Kleinstkredite, die sie selber nicht profitabel vergeben können, an die neuen Plattformen vermitteln. Außerdem können die Banken mit P2P-Krediten ihren vermögenden Kunden auch eine neue Anlageklasse anbieten, als Alternative oder Ergänzung zu herkömmlichen Geldanlagen.

P2P-Plattformen können ebenfalls durch Kooperationen mit Banken profitieren. Durch die Zusammenarbeit mit einer Bank können Sie die Kreditanfragen auf Ihrer Plattform schneller bedienen und dadurch das vermittelte Kreditvolumen auf ihrer Plattform erhöhen. Außerdem profitieren Sie von der oft sehr großen Kundenbasis der Banken.

Ein gutes Beispiel für einen solchen Fall ist die erst kürzlich beschlossene Kooperation zwischen dem deutschen KMU-Kreditmarktplatz Zencap und der Sparda-Bank Berlin.

Die Banken haben zwei Optionen, am neuen Geschäftsmodell teilzuhaben: entweder Sie nutzen die Plattformen zur Kreditvergabe und zur Vermittlung von Anlegern, oder aber Sie erwerben eine Beteiligung an einem der Start-Ups und profitieren so direkt von den Umsätzen der Plattformen.

Wie sehen Sie den P2P-Kreditmarkt bei zukünftig steigenden Zinsen und unter dem Vorwand, dass Anleger Gelder wieder in dann attraktivere Spareinlagen investieren?

Antwort: Steigt das allgemeine Zinsniveau , so werden auch die Zinsen auf den Kreditmarktplätzen steigen. Anleger werden dann ebenfalls von den höheren Zinsen profitieren. Es bleibt aber der Fixkosten-Vorteil der Kreditmarktplätze.

Nico Mausolff: Bezogen auf die Zusammenarbeit mit einem lizensierten Kreditinstitut im Abwicklungsprozess, wodurch unterscheiden sich die Bonitätskriterien bzw. Bearbeitungszeit von klassischen Geldhäusern?

Oskar Streiter: Grundsätzlich unterscheiden sich die Rating-Systeme der Kreditmarktplätze nicht sehr stark von denen der Banken. Die bisherigen Modelle haben sich bewährt.

Trotzdem nutzen die meisten Kreditmarktplätze aber einen unternehmensinternen Algorithmus zur Bestimmung der Bonität eines Kreditnehmers. In diesen einbezogen werden Daten von Schufa, Creditreform und die finanziellen Verhältnisse eines Kreditnehmers, wie zum Beispiel sein Einkommen/Ausgaben-Verhältnis und laufende Verbindlichkeiten oder Geldanlagen.

Welcher Aspekt der P2P-Kreditvergabe begeistert Sie persönlich am meisten?

Antwort: Für mich ist Crowdlending vor allem eine interessante Alternative zu herkömmlichen Geldanlage. Durch Crowdlending habe ich die Möglichkeit, direkt in Kredite zu investieren, was sonst nur Banken können. Vor allem auch für Anleger, die nicht allzu viel Zeit in Ihre Geldanlage investieren möchte oder wenig Fachwissen haben, bietet sich mit Crowdlending eine interessante neue Anlageklasse mit einem guten Verhältnis zwischen Chance und Risiko.

Nico Mausolff: Beschreibt die Peer-to-Peer Kreditvergabe lediglich eine Ergänzung des Kreditgeschäfts, oder kann das Kreditgeschäft der Zukunft auf diesem Prinzip und Modell basieren?

Oskar Streiter:

Ich denke, dass die traditionellen Bank-Kredite nicht vollends verschwinden werden. Letztendlich wird es immer Kredite geben, insbesondere große Kredite, die nur von Banken finanziert werden können.
Aus heutiger Sicht ergänzen sich P2P-Plattformen und Banken. Die GEfahar für P2P-Plattformen besteht darin, dass sie vielleicht eines Tages von den großen Banken einverleibt werden. Die Banken haben zwar große Probleme, ihre Prozesse flexibel zu digitalisieren, aber sie haben viel Kapital zur Verfügung. Dadurch können Sie sich das benötigte Fachwissen einkaufen bzw. die Newcomer aufkaufen.

Weitere Informationen:

Links zu deutschen Kreditmarktplätzen

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